700 Kirchenvertreter: CDU-Migrationskurs ist unchristlich

    Heftige Kritik an Migrationskurs:700 Kirchenleute: CDU-Asylpläne unchristlich

    |

    Vertreter beider großen Kirchen haben den Migrationskurs der CDU kritisiert. Es sei unchristlich, Menschen in Not zurückzulassen und sich der Verantwortung "billig zu entledigen".

    Baden-Württemberg, Langenargen: Ein jugendlicher Flüchtling sitzt neben einem anderen geflüchteten Jugendlichen auf einer Terrasse. Archivbild
    Die Flüchtlingspolitik der CDU kritisieren zahlreiche Kirchenvertreter. (Symbolbild)
    Quelle: dpa

    Mehr als 700 Vertreter beider großen Kirchen haben anlässlich des CDU-Parteitags den Migrationskurs der Christdemokraten scharf kritisiert. "Die asylpolitischen Pläne der CDU sind unchristlich", heißt es mit Bezug auf das zur Abstimmung stehende neue CDU-Grundsatzprogramm in einem gemeinsamen Aufruf.
    Konkret geht es um die CDU-Forderung, Asylverfahren künftig in sicheren Drittstaaten durchzuführen.

    Kirchenvertreter: Schwachen und Schutzsuchenden zur Seite stehen

    "Das ist gegen jedes Recht - und soll doch Programm der CDU werden", heißt es in dem Aufruf der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche.

    Nichts ist unchristlicher als Menschen in Not zurückzulassen und sich der eigenen Verantwortung billig zu entledigen.

    Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche

    "Nichts ist der Jesuanischen Botschaft fremder als Nationalismus, ethnische Arroganz und deutsche Leitkulturen", heißt es weiter. "Der Platz von Christinnen und Christen ist an der Seite der Schwachen und Schutzsuchenden."
    SPD-Chefin Saskia Esken im Berlin-direkt-Studio
    Dem Vorschlag, europäische Asylverfahren in sicheren Drittstaaten außerhalb der EU durchzuführen, steht die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken skeptisch gegenüber.28.01.2024 | 5:04 min

    Aufruf: Kirchen sollen sich für Schutz Geflüchteter einsetzen

    Dorthin gehört nach Ansicht der Bundesarbeitsgemeinschaft auch eine christlich geprägte Partei, wie die Vorstandsvorsitzende, Pfarrerin Dietlind Jochims, in einer in Berlin verbreiteten Erklärung deutlich machte.

    Dort sollte auch die CDU stehen und Fluchtursachen bekämpfen, nicht Flüchtlinge.

    Dietlind Jochims, Vorstandsvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft

    Der Aufruf von 700 Pfarrern, Pfarrerinnen und anderen Theologen richte sich aber nicht nur an die CDU, sondern fordere auch Kirchenleitungen auf, politische Programme abzulehnen, die nicht von Nächstenliebe und Humanität geleitet seien. Zu oft würden Kirchenleitungen schweigen, statt sich mutig, klar und unmissverständlich für den Schutz Geflüchteter einzusetzen, sagte sie.
    Schaltgespräch zwischen Gerald Knaus und Nazan Gökdemir
    "Das bisschen Geld wird nicht dazu führen, dass sich was ändert", so Migrationsforscher Knaus über das EU-Flüchtlingsabkommen mit dem Libanon, das Flüchtlingsströme stoppen soll. 03.05.2024 | 4:21 min

    Entwurf von CDU-Grundsatzprogramm sieht Drittstaaten-Lösung vor

    Im Entwurf für das neue CDU-Grundsatzprogramm heißt es: "Jeder, der in Europa Asyl beantragt, soll in einen sicheren Drittstaat überführt werden und dort ein Verfahren durchlaufen. Im Falle eines positiven Ausgangs wird der sichere Drittstaat dem Antragsteller vor Ort Schutz gewähren."
    Für die Anforderungen an sichere Drittstaaten seien der Kern der Verpflichtungen der Genfer Flüchtlingskonvention und der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten maßgeblich. "Beide Konventionen beinhalten nicht das Recht, sich das Land des Schutzes frei auszusuchen, und gewähren keinen Schutzanspruch aufgrund einer wirtschaftlichen Schwäche des Herkunftslandes. Wir wollen Schutzbedürftige durch humanitäre Kontingente aufnehmen."
    Erwerbstätigkeit von Geflüchteten
    Je länger Flüchtlinge in Deutschland leben, desto mehr von ihnen haben Arbeit. Das gilt zumindest in Bezug auf die 2013 bis 2019 zugezogenen Geflüchteten.18.04.2024 | 2:00 min
    Quelle: dpa

    Mehr zur CDU und Migration